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Jugendliche starten durch

Am 21. Mai 2026 lud die Alfons Goppel-Stiftung unter dem Titel "Jugendliche starten durch" zu einer Online-Veranstaltung ein, die einen besonderen Einblick in die Arbeit des Kinderheims Casa Hogar de Jesús in Santo Domingo de los Tsáchilas, Ecuador, gab.

 

Die Gäste des Abends

Zu Beginn begrüßte Sarah Christ die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und stellte die beiden Gäste vor: Ángel, einen Jugendlichen aus dem Casa Hogar de Jesús, der sich als Bäcker seinen Weg in die Selbstständigkeit erarbeitet, sowie Teresita Moncada, die die Einrichtung seit vielen Jahren leitet.

 

„Kleine Unternehmer“
Teresita Moncada gab einen Einblick in das Programm „Pequeños Emprendedores / Kleine Unternehmer“, das Jugendliche im Casa Hogar de Jesús gezielt dabei unterstützt, eigene Stärken zu entdecken und unternehmerisches Denken zu entwickeln. Sie betonte, wie sehr sie selbst von und mit den Jugendlichen lernt: „Das Casa Hogar de Jesús ist für mich zu einer Lebensschule geworden. … Jedes Kind ist wie ein Buch und wir haben das Glück, es als erste lesen zu dürfen und gemeinsam weiterzuschreiben.“

Mit Stolz leitete sie zum Interview mit Ángel über. Er sei ein Vorbild für alle Kinder im Heim und zeige, was man schaffen könne.

 

Ángels Geschichte

Ángel hat im März seinen Schulabschluss erfolgreich abgeschlossen. Durch einen Workshop im Programm „Kleine Unternehmer“ entdeckte er vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Backen. Parallel zur Schule absolvierte er ein Praktikum in einer Bäckerei. Heute studiert er online und arbeitet gleichzeitig daran, sich schrittweise ein eigenes kleines Unternehmen aufzubauen. Sein Ziel: Konditor zu werden.

Das Interview mit Ángel führte und übersetzte Adriana Tilch-Thon. Es drehte sich unter anderem um sein Leben vor dem Casa Hogar de Jesús, darum, was ihm die Einrichtung bedeutet, wie er sein Handwerk entdeckt hat, was das Programm „Kleine Unternehmer“ ihm konkret beigebracht hat und wie sein Alltag heute aussieht.

 

Ángel ging nur kurz auf seine Kindheit und die Zeit ein, bevor er ins Casa Hogar de Jesús aufge-nommen wurde. Seine innere Größe war berührend: „Jede Familie“, so sagt er, „hat ihre eigene Geschichte. Ich verurteile nicht, denn alles hat seine Gründe.“

Das Casa Hogar de Jesús habe ihm Stabilität und vor allem Schutz gegeben. Viel wichtiger als ein Dach über dem Kopf und Essen seien für ihn die gute Erziehung und vor allem die Hilfe gewesen, die er durch Lehrerinnen und Lehrer sowie durch das technische Fachpersonal erhalten habe – unter anderem durch Sozialarbeiterinnen und Psychologen.

Gerade das Programm „Kleine Unternehmer“ sei für ihn ein Schlüsselimpuls gewesen: „Ich habe gelernt, mich zu organisieren, aber auch Ressourcen zu verwalten. So habe ich langsam einen Unternehmergeist entwickelt.“ Dieser Unternehmergeist trieb ihn an, zunächst parallel zum letzten Schuljahr ein praktisches Jahr in einer Backstube zu machen und nun Marketing zu studieren. Er liebt es, Desserts und vor allem Torten herzustellen, sie liebevoll zu verzieren und die Wünsche seiner Kundinnen und Kunden noch zu übertreffen. Seine Lieblingstorte: Tres Leches. Auf die Zwischenfrage, ob er diese auch selbst herstellen könne – sie gilt als recht aufwendig –, antwortete er selbstbewusst lächelnd mit: „Claro que sí – Ja, natürlich!“

Sein Ziel ist klar: Er möchte Konditor werden, eine eigene Backstube eröffnen und seine Produkte angemessen vermarkten können.

Dafür beginnt sein Tag derzeit gegen 6 Uhr. Zunächst erledigt er Aufgaben für sein Fernstudium, von etwa 11 bis 15 Uhr arbeitet er in der angrenzenden Cafetería, wo er vor allem Nachtische herstellt. Seine Kundinnen und Kunden sind Studierende der benachbarten Universität, aber auch viele Menschen aus dem Viertel. Zwischen 17 und etwa 22 Uhr finden unter der Woche seine online-Kurse statt. Das Wochenende ist fest dem Fernstudium gewidmet – mit Kursen, Aufgaben und Prüfungsvorbereitungen.

 

Für die Zuhörenden hatte Ángel eine Botschaft:

„Es spielt keine Rolle, woher man kommt oder welche Schwierigkeiten man im Leben durchgemacht hat – was deine Zukunft wirklich bestimmt, sind die Entscheidungen, die du heute triffst, und die Begeisterung, mit der du Chancen ergreifst.

Ich bin all jenen sehr dankbar, die diese Prozesse unterstützen, denn dank dieser Hilfe können junge Menschen wie ich ihre Berufung entdecken, über sich hinauswachsen und beweisen, dass wir mit Anstrengung und der richtigen Unterstützung mit erhobenem Kopf vorankommen können.“

 

Die Reaktionen der Zuhörerinnen und Zuhörer zeigten deutlich, wie positiv und bewegt sie waren. Die Arbeit von Teresita und ihrem Team wurde mit großer Wertschätzung gewürdigt; besonders hervorgehoben wurde die liebevolle und kompetente Begleitung junger Menschen auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben. Ángel beeindruckte die Teilnehmenden mit seiner Reife, Zielstrebigkeit und Klarheit. Insgesamt war der Abend geprägt von Herzlichkeit und großer Anerkennung – verbunden mit den besten Wünschen für Ángels weiteren Weg.


Die Zukunftsbäckerei

Ángels Geschichte ist eng mit einem konkreten Förderprojekt verknüpft: 2020 ermöglichte die Regine Sixt-Stiftung die Anschaffung eines Industriebackofens und zweier Küchenmaschinen für das Casa Hogar de Jesús. Unter dem Namen „Zukunftsbäckerei" wurde damit eine kleine Bäckerei eingerichtet, die bis heute täglich genutzt wird. Die Backwaren versorgen die Kinder und Jugendlichen des Heims, werden in einer angrenzenden Cafeteria angeboten und einmal jährlich auf dem großen Bauernmarkt der Stadt verkauft.


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Seit über 45 Jahren setzt sich die Alfons Goppel-Stiftung für gerechtere Bildungschancen in Ländern des Globalen Südens ein – mit Fokus auf Ecuador. 

Unsere Arbeit folgt einem klaren Ziel: Junge Menschen stärken, damit sie ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen können.   

 

Unsere Stiftung ist als gemeinnützig anerkannt. Jede Spende kommt nachvollziehbar dort an, wo sie gebraucht wird – bei den Kindern.